„Eines Tages“

Wir flohen, aber ich versprach: „Eines Tages werde ich wiederkommen, das Land aufräumen und kämpfen – für die Kinder und ihre Kindheiten.“
Wir immigrierten nach Hamburg; Armut und Sprachbarrieren waren die nächste Herausforderung. Ich ließ meiner Wut freien Lauf und meine Fäuste schlugen mir den Weg frei. Ich landete auf der Straße, im Krankenhaus und im Gefängnis.

Der Boxsport rettete mich und half mir meine Vergangenheit zu überwinden. Ich lernte, meine Wut zu kontrollieren und meine Fäuste nur noch im Ring einzusetzen. Die Vision „Fight for Peace“ Afghanistan leidet seit mehr als dreißig Jahren unter dem Krieg. Armut, Hunger, Krankheiten, Mangel an Bildung, Korruption sind nur einige der Folgen.
Heute wie gestern sind es die Kinder und Jugendlichen, die am meisten darunter leiden. Vor zwei Jahren rief ich das Projekt „Fight for Peace“ ins Leben. Das Projekt hat das Ziel die Jugend mit Sport zu mobilisieren. Sport bewegt – das bewiesen bereits Mohammed Ali und Nelson Mandela. Seitdem dieses Projekt ins Leben gerufen wurde sind etliche Boxgyms in Afghanistan entstanden – u.a. auch für Frauen.
Im Oktober 2012 bestritt ich den ersten Profikampf in der Geschichte Afghanistans - ein Kampf zum Zeichen des Friedens. Millionen Afghanen verfolgten dieses Ereignis, die ganze Welt berichtete über den historischen Tag des Friedens in einem Land des Krieges. Die Menschen Afghanistans erlebten einen Tag des Sportes, sie vergaßen einen Tag den Krieg, die Kinder waren einen Tag lang Kinder.
Leider ist der Weg zum Frieden steinig und das Ziel noch weit entfernt, aber ich bin bereit ihn zu gehen - wer ist bereit mir zu folgen?

Mein Name ist Hamid Rahimi,

ich wurde am 12.09.1983 in Kabul/Afghanistan geboren. Heute bin ich Profiboxer – ein Kämpfer – und setze meine Fäuste nur im Ring ein.
Ich wuchs zusammen mit meinen drei Geschwistern während der Sowjetinvasion in der Hauptstadt Kabul auf. Wir besuchten die Schule, wir spielten, wir hatten Freunde – wir hatten die beste Kindheit, die man in Afghanistan haben konnte.

Dann brach der Bürgerkrieg aus und verwandelte das Land in Schutt, die Menschen in Asche. Schulen, Wohnblöcke, Straßen wurden bombardiert; viele Menschen flohen, noch mehr Menschen starben. Darunter mein bester Freund Samir. Es war heiß, wir wollten Eis essen, die Eisdiele explodierte, ein Splitter bohrte sich in sein Herz, er starb, ich überlebte.
Die Kindheit war vorbei, für mich und Millionen andere Kinder Afghanistans – zwei Jahrzehnte später kennen die Kinder dieses geschundenen Landes das Wort „Kindheit“ nur noch vom Hören und Sagen.

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